Franz Kutil / Zum Ableben des „sanften Mörders“

Ing. Franz Kutil (*1942, † 2020) war ein engagierter und jahrzehntelanger Trainer …

Ing. Franz Kutil (*1942, † 2020) war ein engagierter und jahrzehntelanger Trainer …

Fußball-Oberösterreich trauert um (HTL Maschinenbau) Ing. Franz Kutil. Der „ewige Talenteschmied“ verstarb völlig unerwartet am 17. November 2020 im 79. Lebensjahr stehend. Kutil, der zeitlebens seine Augen auf den Nachwuchs, auf hoffnungsvolle Talente für den heimischen Fußballsport gerichtet hatte, hinterlässt beim OÖ-Fußballverband, aber auch beim ÖFB eine riesengroße Lücke.

Geboren wurde Franz Kutil am 5. August 1942. Seine aktive Fußballer-Laufbahn bestritt er als Amateur im Tor von Union Pregarten im oberösterreichischen Mühlviertel. Nach einer schwierigen Kreuzverletzung musste er allerdings die Tormann-Handschuhe ausziehen, kickte aber trotzdem noch acht Jahre in Pregarten als Stopper. Kutil, der ein wahrer „Haxlbeißer“ war im Spiel, ein verbissener Kämpfer, gab keinen Zweikampf verloren. Dieser Spielstil brachten ihm den vielsagen Spitznamen „Der Mörder mit den sanften Augen“ ein.

Im Jahre 1969 begann er anhand von vier Semestern mit seiner Lizenztrainer-Ausbildung, die im Jahre 1971 abgeschlossen war. Seine erste Trainerstation lautete SK Eintracht Wels in der 1. OÖ-Landesliga.

Meister mit dem SK VÖEST

Mit der Gründung der Österreichischen Fußball-Bundesliga im Jahre 1974 wurde auch der „Unter 21-Bewerb“ ins Leben gerufen. Es war damals so, dass das Nachwuchsspiel immer zwei Stunden vor dem Hauptspiel angepfiffen wurde. In Linz beispielsweise beim SK VÖEST und auch beim LASK stieg das Vorspiel je nach Witterung im Linzer Stadion entweder am Hauptfeld, oder aber am Stadion-Nebenfeld. Und da die 10 Erst-Divisionäre diesen Bewerb sehr ernst nahmen, streckte auch der SK VÖEST Linz, damals eine große Adresse im Fußballlande Österreich, seine Fühler nach einem geeigneten Nachwuchstrainer aus. Dieser wurde in Ing. Franz Kutil gefunden. So übernahm Kutil im Sommer 1975 die Trainerstelle bei der Unter 21-Mannschaft des SK VÖEST. Und seine Arbeit hatte es in sich. Im ersten Jahr folge nach dem Herbstmeistertitel 1975 die Vize-Meisterschaft, zwei Punkte hinter dem SK Sturm Graz. Und 1976/77 lautete der Unter 21-Fußballmeister von Österreich SK VÖEST Linz.

Während die Profis der Kampfmannschaft des Öfteren vom Publikum ob wenig berauschender Leistungen ausgepfiffen wurden, ernteten die blau-weißen Fohlen Applaus und Zustimmung. Und Kutil entdeckte nicht nur Talente, er förderte sie auch. Siegfried Bauer, Horst Baumgartner, Gerhard Breitenberger, Max Hagmayr, Reinhold Hintermaier, Manfred Schill, Gerhard Ulmer, Helmut Wartinger und so weiter … Alle durchliefen die Talenteschmiede bei Franz Kutil und „seinem“ SK VÖEST.

… der für den heimischen Nachwuchsfußball wertvolle Entdeckungs- und Förderarbeit geleistet hatte. Beide Fotos: © oepb

… der für den heimischen Nachwuchsfußball wertvolle Entdeckungs- und Förderarbeit geleistet hatte. Beide Fotos: © oepb

Mit Union Wels nach oben

Der heute kaum mehr bekannte FC Union Wels schickte sich an, in Windeseile bis ins Oberhaus zu stürmen. Franz Kutil war der Mann auf der rot-weißen Kommandobrücke. Von 1979 an hievte er dieses Team aus dem oberösterreichischen Landesverband bis hinauf 1982 in die 1. Division. Fritz Zinnhobler schoss die Tore und der junge Karl Meister, der später beim LASK in der Bundesliga überaus gute Figur machte, zog als junger Spieler bereits geschickt die Fäden im Mittelfeld. Hans Halter, Karl Kiesenebner, Paul Perstling, Erwin Spiegel, Gerhard Stöffelbauer – allesamt davor oder eben danach „gestandene“ Oberhaus-Fußballer – gehörten damals zum Kader von Kutils Union Wels-Mannschaft.

Wieder Meister mit dem SK VÖEST

Nach einer zweijährigen Trainer-Tätigkeit in Vöcklamarkt kehrte Franz Kutil im Sommer 1984 zum SK VÖEST nach Linz zurück und holte mit den Nachwuchsfußballern der Werkssportler 1986, 1988 und 1989 abermals die Meisterschaft in dem jeweiligen Unter 21-Bewerb im „Play-Off“. Hier hießen die Talente Max Eisenköck, Harald Kaiserseder, Thomas Laschinger, Jürgen Müller, Wolfgang Pöhlmann, Alexander Sperr, Jürgen Werner-Klausriegler, Manfred Wurmlinger und dergleichen, die wenig später dann im Oberhaus ihr Bundesliga-Debüt feiern konnten.

Oberkörpertraining

Einmal auf das Geheimnis seines Erfolges beim SK VÖEST angesprochen meinte Franz Kutil: „Ich bin kein Herrera und kein Merkel, aber auch kein Despot. Disziplin, Ehrlichkeit und Kameradschaft gehen mir über alles. Das dürfte das Geheimnis unseres Erfolges sein, aber auch das Oberkörpertraining. Fußballer haben zumeist kräftige Beine, aber einen Oberkörper wie Henderln. Durch diesen Muskelaufbau im Oberkörper haben wir viele entscheidende Zweikämpfe gewonnen.“

Verbandstätigkeit neben Vereinsarbeit

Ing. Franz Kutil, im Brotberuf Landesbeamter als Sachverständiger und später Leiter des Bauhofes in Wels, trainierte „abendfüllend“, wenn man so will, die Vereine ATSV Sattledt, SV Bad Schallerbach und Union Vöcklamarkt, allesamt in der 1. OÖ-Landesliga anzutreffen. So ganz nebenbei übte er auch noch Ämter im OÖ-Fußballverband aus. Er war langjähriger Leiter der Trainerausbildung beim OÖFV, sowie ebenso jahrelanger Landesauswahltrainer der OÖ-Unter 21-Mannschaft, sowie Coach der OÖ-Amateurmannschaft.

Auszeichnungen

Im Jahre 2010 wurde Ing. Franz Kutil mit dem „Silbernen Ehrenzeichen des ÖFB“ und zwei Jahre später, 2012 mit dem „Goldenen Leo“ ausgezeichnet. Bei der Verleihung des „Goldenen Leo’s“ meinte Heinz Hochhauser, ein langjähriger Bekannter Kutil´s, so treffend: „Der Franz ist ein feinfühliger, ein guter Mensch. Wahrscheinlich ein bisschen zu gut und ehrlich, um ganz oben zu trainieren. Dafür muss man sich oft in Szene setzen. Und das wollte er nie.“

„Der oberösterreichische Fußball hat ein echtes Urgestein verloren. Franz Kutil hat das Fortbildungswesen revolutioniert und in seiner langen Ära tausende Trainer auf ihrem Ausbildungsweg begleitet. Wir trauern um einen Fußballfachmann und Weggefährten, der neben seiner Kompetenz mit seinem unglaublichen sympathischen Auftreten zu beeindrucken wusste. Unsere Anteilnahme gilt besonders den Angehörigen unseres Fußballfreundes!“, so der OÖFV-Präsident Gerhard Götschhofer zum Ableben von Ing. Franz Kutil.

Quelle: oepb

www.oefb.at

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