HUGO SANCHEZ / Fußball-Weltstar 1995 beim FC LINZ

Der mexikanische Weltstar Hugo Sanchez (blau-weiße Dress) 1995/96 für acht Monate zu Gast in Österreich beim FC Linz. Foto: © oepb

Der mexikanische Weltstar Hugo Sanchez (blau-weiße Dress) war 1995/96 für acht Monate zu Gast in Österreich beim FC Linz. Foto: © oepb

Die Österreichische Fußball-Bundesliga, die es in dieser heute bekannten Art und Weise seit Sommer 1974 gibt, war schon immer ein bisserl anders: Doppel-Veranstaltungen mit zwei Stadt-Rivalen im gleichen Stadion am gleichen Tag, Spieltage mit Hin- und in der Woche darauf dem Rückspiel, Aufstockungen, Liga-Reformen, Play-Offs, Relegationen, Fusionen, Vereins-Auflösungen, verschiedenste Anstoßzeiten, und so weiter. Fad wurde dem geneigten Fußball-Interessierten in Österreich und seiner Liga schlichtweg nie.

Es kam allerdings auch vor, dass der eine oder andere Star aus einer anderen Welt irgendwann in Österreich anheuerte. Es herrschte eben in unserer Bundesliga immer auch ein bisserl eine andere Zeit vor.

Der argentinische Fußball-Weltmeister Mario Kempes (Torschützenkönig bei der Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien) war wohl der Berühmteste, der im Jänner 1986 quasi über Nacht den Dress des First Vienna FC überstreifte und von nun an im „Mittleren Play-Off“ mit den Döblingern um den Aufstieg ins Oberhaus kämpfte, der auch gelang. Oleg Blochin, UdSSR-Superstar aus der Ukraine, kickte ab März 1988 für den SK Vorwärts Steyr. Ebenfalls im „Mittleren Play-Off“, ebenso mit dem Bundesliga-Aufstieg im Sommer 1988 verbunden. Und wiederum sieben Jahre später glaubte man in Linz seinen Augen und Ohren nicht zu trauen, als es hieß, dass der einstige Real Madrid-Torjäger Hugo Sanchez zum FC Linz (vormals SK VÖEST Linz) wechseln würde, in die 2. Liga wohlgemerkt!

Gattin Isabel fand Gefallen an Europa und an Österreich und war eine große Befürworterin für den Transfer von Hugo Sanchez aus Mexiko nach Linz. Foto: © oepb

Gattin Isabel fand Gefallen an Europa und an Österreich und war eine große Befürworterin für den Transfer von Hugo Sanchez aus Mexiko nach Linz. Foto: © oepb

25 Jahre ist das nun her und der FC Linz ist längst Geschichte. Der im Jahre 1997 entstandene FC Blau-Weiß Linz spielt derzeit zwar aktuell detto in der 2. Bundesliga, bis auf Teile der Anhängerschaft und den Vereinsfarben hat man allerdings mit dem verblichenen SK VÖEST Linz nicht mehr allzu viel gemeinsam. Nichtsdestotrotz ist der Blick zurück überaus interessant, denn der Fußballsport lebt nach wie vor auch immer wieder von seiner erlebten und gelebten Geschichte.

Paternoster-Dasein

Der FC Linz stand in seinem vorletzten Bestandsjahr. Im Juni 1995 verlor man beide Relegations-Spiele gegen die SV Ried (0 : 2 in Linz, 0 : 1 in Ried) und war nach nur einem Jahr im Oberhaus wieder in der 2. Liga angelangt. Man wollte um den knapp 29-jährigen Torjäger Christian Stumpf eine junge Truppe aufbauen. Prof. Heinz Hochhauser war der Lehrherr dieses Hasenstalls. Zwei Wochen vor Saisonstart unterschieb Stumpf jedoch beim SK RAPID Wien und sorgte dort als „Büffel“ für Furore. Der FC Linz verlor somit seinen Leithammel.

Forcierte Jugend

Heinz Hochhauser, der 1995/96 als Trainer beim FC Linz in der 2. Liga ganze Arbeit geleistet hatte, formte ein Team ohne große Namen. Am vierten Spieltag dann bereits der zweite Sieg. Die mit 21,5 Jahren im Durchschnitt angetretene Linzer Mannschaft fegte die durchschnittlich 29,5-jährigen Kollegen des DSV Leoben mit 4 : 1 vom Linzer Gugl-Rasen. Ein wahres Lehrspiel der jungen FC Linz-Truppe. Günstig und ohne langes Federlesen gesellte sich ab dem fünften Spieltag dann auch noch Manfred Linzmaier hinzu. Der FC Linz eilte weiter von Sieg zu Sieg.

Erstes FC Linz-Training auf der Gugl. Im Bild von links: Günter Zeller, Ronald Brunmayr, Jürgen Aschauer, Hugo Sanchez und Manfred Linzmaier. Foto: © oepb

Erstes FC Linz-Training auf der Gugl. Im Bild von links: Helmut Zeller, Ronald Brunmayr, Jürgen Aschauer, Hugo Sanchez und Manfred Linzmaier. Foto: © oepb

Hugo Sanchez – „Ich gehe zum FC Linz“

Vor sieben anwesenden TV-Stationen in Mexiko-City erklärte der fünffache (1985, 1986, 1987, 1988 und 1990) spanische Torschützenkönig und im Jahre 1990 mit 38 Toren für Real Madrid Gewinner des Goldenen Schuhs, der mexikanische Zahnarzt Dr. Hugo Sanchez am 13. September 1995, dass er nach Österreich zum FC Linz wechseln werde. Diese Liaison hatte ihren Ursprung anhand eines Trainingslagers des mexikanischen Klubs CF Atlante im Sommer 1995 in Maria Taferl. FC Linz-Manager Jürgen Werner unterhielt sich dort mit Hugo Sanchez und machte diesem Österreich und Linz schmackhaft. Daraus folgte zwei Monate später der nicht für möglich gehaltene Transfer.

Ronald Brunmayr versus Hugo Sanchez

Der FC Linz trug am 15. September 1995 um 19 Uhr im Linzer Stadion sein Heimspiel gegen Flavia Solva aus. Ronald Brunmayr (heute Trainer des FC Blau-Weiß Linz) erzielte mit einem Prachtschuss das Goldtor, bloß ging dieser herrliche Treffer in der Euphorie um die Ankunft von Hugo Sanchez am Flughafen Linz-Hörsching um 22.30 Uhr völlig unter.

Zahlreiche Fans in Hörsching

Als Sanchez mit Gattin Isabel die Gangway aus dem Flugzeug stieg, wurde ihm von den voller Vorfreude wartenden FC Linz-Fans ein Ball zugeworfen. Hugo ließ sich nicht lange bitten und jonglierte das rundliche Spielgerät sogleich noch auf der Landebahn und außerhalb der Zoll-Kontrolle. Und Sanchez war ein „Star zum Anfassen“. Er gab sich bescheiden und freute sich auf seine Aufgabe bei dieser jungen Linzer Mannschaft.

Kein Platztausch mit St. Pölten

Jürgen Werner bemühte sich mit dem VSE St. Pölten um einen Platztausch, um seinen neuen Superstar dem Linzer Publikum ehestmöglich präsentieren zu können. Der Platztausch fand nicht statt. Ganz im Gegenteil, am Voithplatz wurde am 22. September 1995 beim FC Linz-Gastspiel in der 64. Minute das Flutlicht abgedreht. Die Linzer führten zu jenem Zeitpunkt mit 3 : 1, dreifacher Torschütze war Ronnie Brunmayr. Das Ergebnis wurde nicht gewertet, es kam später zu einer Neuaustragung, die der FC Linz am 18. Oktober 1995 gar mit 7 : 1 für sich entschied. Brunmayr traf hier zweimal.

27. September 1995 / Hugoool küsst die Liga wach

Strömender Regen an jenem Mittwoch Abend in Linz. Bei ein wenig besseren Witterungsverhältnissen wären bestimmt bei weitem mehr als „nur“ jene 4.000 Zuschauer zum Hugo Sanchez-Debüt im FC Linz-Dress ins Linzer Stadion gekommen. Und dennoch ließ sich der Mexikaner nicht lange bitten. Die Vienna hatte an jenem Abend keine Chance, bereits in der 15. Minute traf „Nino del Oro“ (Goldkind) zum 1 : 0. Aber nicht nur das. Er ließ natürlich seinen berühmten Torjubel-Salto folgen. 4 : 0 fegten die Linzer die Vienna vom klitschnassen Gugl-Rasen, Sanchez scorte das erste und das vierte Tor in diesem Spiel.

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Der Boom blieb aus

Es war jetzt nicht unbedingt so, dass Hugo Sanchez anhand der FC Linz-Auswärtsspiele die Massen anzog, jedoch ein paar hundert Zuschauer mehr als im Normalfall erwartet gesellten sich dann doch zu den jeweiligen Vereinen.

Neid und böse Zungen

Anhand von Niederlagen beim VfB Mödling im Rahmen von 0 : 4 (vor 200 !!! Zuschauern) und bei der WSG Wattens im Ausmaß von 0 : 2 (vor 600 Besuchern) wurde der 37-jährige Altstar von den Rängen auch schon einmal verspottet und ausgelacht. Hugo Sanchez fand sich mit dem vorhandenen Schneeboden auf beiden Fußballplätzen einfach nicht zurecht. Andererseits blühte er bei Heimspielen im Linzer Stadion förmlich auf und riss seine jungen Mitspieler immer wieder mit. Der Herbstmeistertitel kam am Ende dabei heraus.

Testspiel des FC Linz gegen die SV Ried in der Winterpause 1995/96 am SK VÖEST-Werkssportplatz. Im Bild von links: Marinko Ivsic (Ried) gegen Hugo Sanchez. Foto: © oepb

Testspiel des FC Linz gegen die SV Ried in der Winterpause 1995/96 am SK VÖEST-Werkssportplatz. Im Bild von links: Marinko Ivsic (Ried) gegen Hugo Sanchez. Foto: © oepb

Mexikanisches Gerasdorf

1.500 Zuschauer drängten sich am 23. März 1996 am kleinen Gerasdorfer Sportplatz. Der Zweite forderte den Ersten zum Duell. Und alle kamen „Hugo schauen“.

Man scheute weder Kost noch Mühen und engagierte sogar eine mexikanische Band, die für ihren Landsmann aufspielte. Bloß, dieser Landsmann war nicht da.

Heinz Hochhauser plante bereits die Zukunft und forcierte gerade in Auswärtsspielen seine Talente. Hugo Sanchez blieb an diesem Wochenende kurzerhand in Linz und feilte weiter an der österreichischen Sprache.

Der Gipfel in Liga 2 endete übrigens mit einem brüderlichen 1 : 1.

Siege, Siege, Siege – mit und ohne Hugo Sanchez

Die junge FC Linz-Truppe eilte weiter von Erfolg zu Erfolg. Die bloße Präsenz von Hugo Sanchez riss beim Verein alle mit. Am 25. Spieltag hatte der Tabellenführer aus Linz auf den schärfsten Verfolger SV Gerasdorf bereits 12 Punkte Vorsprung und auch eine um 10 Tore bessere Tordifferenz.

Adios Hugo

Wie ursprünglich vereinbart, war das moderne Fußball-Märchen „Hugo Sanchez beim FC Linz“ nach nur acht Monaten Geschichte. Der FC Linz stand vier Spieltage vor Schluss als Meister der 2. Bundesliga und Aufsteiger ins Oberhaus fest. Und Dr. Hugo Sanchez tat das, was er am besten konnte: er erzielte Tore und ließ einen – seinen allerletzten – Salto in Linz folgen. Das Heimspiel gegen den SV Spittal/Drau stand am 10. Mai 1996 ganz im Zeichen des Abschiedes. Der eine kehrte samt charmanter Gattin und 7 erzielten Toren in der zweithöchsten Spielklasse Österreich nach nur einem dreiviertel Jahr wieder den Rücken und die anderen kraxelten aus dem Paternoster wieder heraus, und stiegen in die 1. Liga auf.

Epilog

Und auch wenn sich nicht wenige Teile der blau-weißen Anhängerschaft immens darüber gefreut hätten, gemeinsam mit Hugo Sanchez in ein Linzer Stadt-Derby gegen den Rivalen LASK ins Oberhaus zu gehen, so überwog doch die Freude, dass er überhaupt da war. Ein Superstar, der seinen fußballerischen Zenit mit 37 Jahren zwar bereits längst überschritten hatte, der aber als Vollprofi ein echter Star zum Anfassen war und der gerade jungen Aktiven wertvolle Tipps und Hilfestellungen bot.

Quelle: oepb

www.bundesliga.at

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