Anlässlich des Internationalen Tages der seelischen Gesundheit am 10. Oktober 2017 fordern die Niederösterreichische Arbeiter- und Ärztekammer Verbesserungen für Beschäftigte mit mentalen Erkrankungen und Behinderungen.
Ein OECD-Vergleich der europäischen Länder zeigt auf, dass in Österreich besonders viele Menschen wegen psychischer Erkrankungen vorzeitig in Pension gehen und dass sich die Zahl der Krankenstandsfälle mit psychischen Diagnosen laufend erhöht. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Zahl der Krankenstandstage wegen psychischer Erkrankungen beinahe verdreifacht und dieser Trend findet sich auch bei den Neuzugängen an Pensionen wegen geminderter Arbeitsfähigkeit wieder. Psychische Erkrankungen sind bereits zu 32,5 Prozent der Grund für die Pensionsgewährung.
„Gesundheitsförderung, Prävention und eine möglichst frühzeitige Behandlung von psychischen Erkrankungen verhindern spätere Langzeitfolgen, häufige Krankenstände oder gar Berufsunfähigkeitspensionen“, betonen NÖ Ärztekammerpräsident Dr. Christoph Reisner, MSc und Gesundheitsexperte Dr. Bernhard Rupp von der Niederösterreichischen Arbeiterkammer. Sie erwähnen als Positivbeispiel die zusätzlichen Psychotherapieangebote der NÖGKK zur Unterstützung des Wiedereinstiegs nach langen Krankenständen aufgrund psychischer Erkrankungen.
Krankenstände wegen psychischer Erkrankungen dauern zum Beispiel bei Depressionen 54 Tage, das ist 42 Tage länger als durchschnittliche Krankenstände. „Das kostet die Volkswirtschaft Milliarden, die bei einer besseren Versorgung mit psychiatrischen FachärztInnen und Tageseinrichtungen vermeidbar wären“, so Gesundheitsexperte Bernhard Rupp.
So wie es gelungen ist, für Menschen mit körperlichen Einschränkungen vielerorts Barrierefreiheit herzustellen, so sollte auch mehr für Menschen mit psychischen Einschränkungen getan werden. „Die Feststellung und gegebenenfalls Beseitigung von psychischen Belastungen am Arbeitsplatz müssen intensiviert werden. Die gesetzlichen Bestimmungen im ArbeitnehmerInnenschutz wurden in den letzten Jahren etwas verbessert“, jedoch, so Bernhard Rupp, die fixe Verankerung von betrieblicher Gesundheitsförderung und die Verankerung der Arbeitspsychologie im Gesetz als wichtiger Beitrag zur Lösung der anstehenden Herausforderungen ist notwendig. Der derzeitige Wirtschaftsaufschwung sollte dafür genützt werden, auch Menschen mit mentalen Einschränkungen länger in Beschäftigung zu halten oder durch noch bessere psychische Vorsorge- und Unterstützungsprogramme gar nicht erst bis zur Arbeitsunfähigkeit erkranken zu lassen.
Trotz Fachärztemangel medizinische Versorgung großteils sichergestellt
Eine niederschwellige wohnortnahe Versorgung durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte ist gerade für psychisch erkrankte Menschen besonders wichtig. Präsident Christoph Reisner meint dazu: „In Niederösterreich gibt es mit rund 30 Einzelordinationen und fünf Gruppenpraxen mit Kassenverträgen für Fachärztinnen und Fachärzte der unterschiedlichen psychiatrischen und neurologischen Fachrichtungen in großen Teilen des Landes eine gute Versorgung.“ Doch man dürfe sich auf diesen Zahlen nicht ausruhen, denn Ärztinnen und Ärzte in diesen Fächern sind rar. „Für eine psychiatrische Kassenordination in Gänserndorf suchen wir beispielsweise seit zwei Jahren interessierte Fachärztinnen und -ärzte. Eine weitere Kassenstelle für Psychiatrie in Lilienfeld konnten wir glücklicherweise im September nachbesetzen, nachdem sie zwei Jahre lang aufgrund mangelnder Bewerber geschlossen war“, so Reisner abschließend.
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