Bild 1 (2)Knapp 6.000 Besucher in Liga 3, gelebte Wiener Fußball-Tradition stirbt nie!

4. Spieltag / 22. August 2014 / Regionalliga Ost / Stadion Hohe Warte, 5.850 Besucher

Just zum 120. Geburtstag des First Vienna FC von 1894 traf man gestern Abend in der Meisterschaft der Regionalliga Ost auf den ewig „geliebten“ Rivalen – die Begegnung stand unter dem Moto: Derby of Love – aus Hernals, den Wiener Sportklub. Dieses Wiener Derby, gegen den Sport-Club erstmals ausgetragen am 1. November 1911 am WAC-Platz im Prater (der Wiener SC gewann übrigens mit 1 : 0) birgt österreichische Fußball-Geschichte und gelebte Tradition in sich, die hierzulande leider immer seltener vorkommt. Schade ist nur, dass dieser Bruderkampf der Bezirksrivalen aus Döbling und Hernals nunmehr in der dritten Leistungsstufe stattfinden muss. In der Ostliga steht im übrigen – seit 9. September 2001 – folgende Statistik zu Buche: 14 Spiele, 2 Siege, 6 Remis und 6 Niederlagen, aus Sicht der Vienna, Tor-Differenz: 14 : 21. Und da das letzte Duell dieser Art auch schon wieder über 5 Jahre her ist, die Vienna verließ die Ostliga und heuerte für 5 Saison in der Ersten Liga an, war die Erwartungshaltung und auch der Andrang dermaßen groß, dass die Partie mit knapp 15minütiger Verspätung angepfiffen wurde, um sämtlichen Besuchern die Möglichkeit des Live-Erlebnisses dieser knackigen 90 Minuten zu ermöglichen.

Hans Buzek (links), sowie der Döblinger "Bürgermeister" Adi Tiller.
Hans Buzek (links), sowie der Döblinger „Bürgermeister“ Adi Tiller nahmen den Ehrenankick vor.

Knapp vor Spielbeginn ging ein Raunen durch die bereits anwesenden Vienna-Anhänger auf der Haupttribüne, wurden doch die Vienna-Granden Peter Aust, Hans Buzek und Herbert Grohs gesichtet. Gerade Hans Buzek war es, der als bereits 15jähriger den Dress der Kampfmannschaft trug und als 17jähriger im Mai 1955 die Vienna mitunter zur bisher letzten Meisterschaft schoss. Ihm gehörte der ganze Applaus, umso mehr, als er, gemeinsam mit dem Döblinger Bezirksvorsteher Adi Tiller den Ehrenanstoß zu dieser Begegnung vornehmen konnte.

Der sich überaus zahlreich in der gegenüberliegenden Arena aufhaltende Sportklub-Anhang entrollte pünktlich zu Spielbeginn ein riesiges Transparent mit folgendem Wortlaut: „Wurscht ob Juve oda Roma – am liabstn zur Vienna Oma!“ Na, das war doch einmal eine kreative Botschaft eines sportlichen Gegners.

Das Spiel verlief, sehr flott geführt von beiden Seiten, überaus ansehnlich und gut. Sämtliche Akteure ließen sich von der tollen Atmosphäre von beiden Seiten anstecken und spielten und rackerten unermüdlich. Beide Torhüter, Günther Arnberger von Vienna und Martin Fraisl auf Seiten des Sportklubs, standen oftmals im Mittelpunkt des Geschehens und Torchancen gab es hüben wie drüben.

Semsudin Mehic in der 8. Minute mit einem sehenswerten Aussenrist-Schlenzer, als auch zwei Minuten später Sertan Günes anhand eines Freistosses, scheiterten ebenso am Vienna-Keeper, wie die Hausherren in der 13. Minute durch Sinan Apaydin am WSK-Keeper. Das Spiel war ausgeglichen mit leichten Sportklub-Vorteilen im Feld. Lukas Grill und abermals Günes prüften vor der Halbzeitpause noch einmal die Fansicherheit der Handschuhe von Arnberger. Bei beiden Teams überwog das Kollektiv, wobei man auf Seiten Viennas Apaydin und auf schwarz-weißer Seite Günes als jeweilige Unruheherde positiv erwähnen muss.

Kurt Jusits, WSC (links), sowie Hans Slunecko (Bildmitte) beim Interview-Talk vor dem Spiel.
WSK-Coach Kurt Jusits, (links), sowie Vienna-Trainer Hans Slunecko (Bildmitte) beim Interview-Talk vor dem Spiel.

Nach Wiederbeginn, die Besucher-Schlangen standen noch vor den Toiletten und Bier-Ständen an, kam die Vienna zu einer guten Aktion. Semir Kapic zieht aufs Tor, Fraisl ist irgendwo und Christoph Hevera, dessen Vater Rudolf übrigens 12 Jahre für Blau-Gelb aktiv war, kann gerade noch klären. Der WSK blieb von da an aktiver und quirliger und erhielt in der 59. Minute auch einen Penalty zugesprochen. Dominik Rotter konnte Mehic im Strafraum nur mehr die Beine wegziehen, Schiedsrichter Aldin Hasanovic entschied sofort auf Strafstoß. Es brodelte in der Arena. Na Servas, ein Elfmeter gegen das Geburtstagskind, oh graus. Doch siehe da, Raphael Pollack hatte ein Einsehen, ballerte an die linke Torstange und von dort prallte das Spielgerät wieder weit ins Feld zurück. Es blieb beim 0 : 0. Der überaus zahlreiche Vienna-Anhang unter der gedeckten Tribüne wurde nun noch lauter, sofern das akustisch überhaupt noch möglich war, und trieb die Grande Dame des österreichischen Fußballsports noch einmal unermüdlich nach vorne.

Nach langer war die Arena Hohe Warte endlich wieder einmal gut besucht.
Nach viel zu langer Zeit war die Arena Hohe Warte …

Es passierten aber zu viele Fehlpässe und auch im Mittelfeld wechselte der Ball sehr oft den Besitzer. Nach 75 Minuten setzte Mario Kröpfl für das Geburtstagskind zu einem sehenswerten Weitschuss an, der in Fraisl jedoch seinen Meister fand. Man merkte beiden Mannschaften das Bemühen an, aber irgendwie entstand auch der Eindruck, dass mit diesem torlosen Remis beide gut leben könnten. In der Schlussminute tauchte noch André Hofer nach einem Stanglpass urplötzlich und alleine vor Fraisl auf, doch der WSK-Wahnsinsmann verhinderte mit einem großartigen Reflex den Döblinger Siegestreffer.

...hüben wie drüben endlich wieder einmal gut besucht.
…hüben wie drüben endlich wieder einmal gut besucht.

Im gegenseitigen Jubel für beide Teams endete diese Begegnung, die trotz keiner Treffer wahrlich Lust auf die Regionalliga Ost gemacht hatte. Der schwarz-weiße Anhang aus Hernals brachte dem blau-gelben Döblinger Geburtstagskind noch ein Ständchen zum Besten, ehe beim Bierstand gemeinsam und einträchtig bis weit in die Nacht hinein gefeiert, gealbert und fachgesimpelt wurde. Fußball kann so schön sein!

www.firstviennafc.at

 

Alle Fotos: oepb.at

Bitte beachten Sie auch diese postings:
www.oepb.at/fussballrezensionen/ostliga-journal-herbst-2014.html
www.oepb.at/fussball/der-first-vienna-fc-ist-120-sommer-jung.html

 

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